Was sagt die Wissenschaft zu Schulschließungen?

Eine Grundschule kann im ländlichen Raum über ihre Bildungsfunktion hinaus auch für die langfristige Entwicklung eines Ortes von Bedeutung sein. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Schulschließungen Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung, Wohnortattraktivität und das soziale Leben haben können.

Besonders deutlich zeigt dies eine dänische Langzeitstudie: Nach der gleichzeitigen Schließung von acht Dorfschulen entwickelte sich die Bevölkerung der betroffenen Orte über zehn Jahre um 7,6 Prozentpunkte ungünstiger, als ohne die Schließungen zu erwarten gewesen wäre. Auffällig ist, dass der negative Effekt erst ab dem sechsten Jahr statistisch deutlich wurde.

Auch für den Immobilienmarkt gibt es Hinweise darauf, dass die Erreichbarkeit von Grundschulen für Haushalte einen messbaren Wert besitzt. Eine deutsche Studie aus Nordrhein-Westfalen zeigt, dass der neu gewonnene Zugang zu einer attraktiveren Grundschule innerhalb von zwei Kilometern mit rund 1,5 Prozent höheren Hauspreisen verbunden war. Je näher die zusätzliche attraktive Schule lag, desto stärker fiel dieser Effekt aus.

Die Forschung ist allerdings nicht eindeutig. Eine Untersuchung zu Grundschulschließungen in Sachsen fand wenig Hinweise darauf, dass die Schließung der letzten örtlichen Grundschule für sich genommen einen erheblichen zusätzlichen Bevölkerungsrückgang verursacht. Insbesondere ließ sich kein deutlicher Anstieg der Abwanderung nachweisen.

Für uns folgt daraus nicht, dass sich jede Schulschließung zwangsläufig negativ auf einen Ort auswirkt.

Die Forschung zeigt aber, dass langfristige Folgen möglich sind und teilweise erst nach mehreren Jahren sichtbar werden. Deshalb stellt sich für uns die Frage, ob bei einer Entscheidung über die Zukunft einer Grundschule neben Baukosten und Schülerzahlen nicht auch mögliche Auswirkungen auf Familien, Wohnortattraktivität, Bevölkerungsentwicklung und Dorfleben untersucht und in die Abwägung einbezogen werden sollten.

Markus Hildebrandt